2. Preis 2026 Room of Horrors – Systematische Stärkung der Bewohner:innensicherheit durch simulationsbasiertes Lernen in der stationären Langzeitpflege

Die Jury-Begründung

Frau Versteeg beschreibt in ihrem Projekt die Entwicklung und Implementierung eines simulationsbasierten Lernformats zur Förderung der Bewohner:innensicherheit in der stationären Langzeitpflege. Ausgangspunkt ist die hohe Relevanz vermeidbarer Risiken im Versorgungsalltag, insbesondere in den Bereichen Medikationsmanagement, Infektionsprävention und Sturzgeschehen. Mit dem „Room of Horrors“ wurde ein praxisnahes und niedrigschwelliges Format geschaffen, in dem Mitarbeitende in einem realitätsnah gestalteten Bewohner:innenzimmer potenzielle Gefahrenquellen identifizieren und diese im Anschluss strukturiert reflektieren.

Das Konzept orientiert sich an etablierten wissenschaftlichen Ansätzen und überträgt diese erfolgreich auf den pflegerischen Alltag. Besonders hervorzuheben ist die interprofessionelle Durchführung in bestehenden Teams, wodurch typische Kommunikations- und Entscheidungsprozesse realitätsgetreu abgebildet werden. Die anschließenden Reflexionsphasen unterstützen die nachhaltige Verankerung sicherheitsrelevanter Erkenntnisse im Versorgungsalltag.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Projekts ist die gezielte Einbindung von Mitarbeitenden unterschiedlicher Qualifikations- und Kompetenzniveaus. Die Intervention richtet sich bewusst an alle an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen – von Pflegefachpersonen über Pflegeassistenzkräfte bis hin zu Mitarbeitenden aus Betreuung und Hauswirtschaft. Die Evaluation zeigt, dass insbesondere Mitarbeitende mit geringerer formaler Qualifikation deutliche Zugewinne in der sicherheitsbezogenen Haltung aufweisen. Gleichzeitig profitieren alle Berufsgruppen von der gemeinsamen Durchführung in bestehenden Teams, wodurch ein einheitliches Sicherheitsverständnis gefördert und die interprofessionelle Zusammenarbeit gestärkt wird. Dieses breite Adressatenspektrum trägt maßgeblich dazu bei, sicherheitsrelevante Kompetenzen flächendeckend im Versorgungsalltag zu verankern und die Bewohner:innensicherheit nachhaltig zu verbessern.

Die Evaluation des Projekts zeigt eine signifikante Verbesserung der sicherheitsbezogenen Haltung der Teilnehmenden sowie eine gesteigerte Sensibilität im Umgang mit Risiken und Fehlern. Durch die einfache Umsetzbarkeit, die Integration in bestehende Fortbildungsstrukturen und den Aufbau von Multiplikator:innen innerhalb der Einrichtung weist das Projekt ein hohes Maß an Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit auf.

Damit stellt das Projekt ein überzeugendes Beispiel für eine innovative und zugleich praxisnahe Intervention dar, die einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Sicherheitskultur und zur Verbesserung der Versorgungsqualität in der stationären Langzeitpflege leistet.

Posterpräsentation

wird im Anschluss an die Verleihung hier veröffentlicht

Die Preisträgerin

Graciana-Virginye Versteeg, M.Sc., Ausbildungsbeauftragte Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord gGmbH
geb. 29.01.1991, wohnhaft in Berlin

Beruflicher Werdegang

  • seit 03/2023 Mitglied des Stabs der Geschäftsführung, Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord gGmbH
  • 10/2021 - 03/2023 studentische Mitarbeiterin, Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V.
  • 02/2020 - 09/2021 Fachgesundheits- und Krankenpflegerin, Immanuel Klinikum Bernau
  • 07/2019 - 03/2020 Fachgesundheits- und Krankenpflegerin , St. Marien-Hospital Euskirchen
  • 09/2014 - 06/2019 Fachgesundheits- und Krankenpflegerin, St. Franziskus Krankenhaus Eitorf GmbH
  • 09/2013 - 08/2014 Gesundheits- und Krankenpflegerin, GFO Kliniken Bonn

Ausbildung und Studium

  • 04-2023 - 03/2025 Masterstudium Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen, Alice Salomon Hochschule Berlin
  • 04/2020 - 03/2023 Bachelorstudium Gesundheits- und Pflegemanagement, Alice Salomon Hochschule Berlin
  • 07/2015 - 06/2017 Weiterbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie, Universitätsklinikum Bonn
  • 09/2020 - 08/2013 Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, Karl Borromäus Schule für Gesundheitsberufe gGmbH

Stipendien

  • 04/2020 - 03/2025 Aufstiegsstipendium, Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung SBB, Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • 08/2012 - 09/2012 Leonardo da Vinci Mobilität, Health Care Work Exchange - Programm für lebenslanges Lernen, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, St. Veit an der Glan, Österreich

Das Projekt

Der Room of Horrors (RoH) ist ein simulationsbasiertes Lernformat zur systematischen Stärkung der Bewohner*innensicherheit in der stationären Langzeitpflege. In einem realitätsnah gestalteten Bewohner*innenzimmer identifizieren interprofessionelle Teams sicherheitsrelevante Risiken und reflektieren diese anschließend im strukturierten Debriefing.

Das Projekt wurde im Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord gGmbH in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin umgesetzt. Die Szenarien wurden anhand der WHO-Vorfallstypen für den Kontext der Langzeitpflege adaptiert und in zwei kurzen, ressourcenschonenden Formaten erprobt. Die Evaluation mit 176 Mitarbeitenden zeigt eine signifikante Verbesserung der sicherheitsbezogenen Haltung (G-APSQshort-Anstieg von = 5,4 auf = 5,6; < 0,001). Über 80 % der Teilnehmenden wünschen regelmäßige Wiederholungen.

Durch seine hohe Praxisnähe, leichte Implementierbarkeit und nachgewiesene Wirksamkeit trägt der RoH unmittelbar zur Förderung einer offenen Sicherheitskultur und zur Verbesserung der Versorgungsqualität in der stationären Langzeitpflege bei.