(Foto: Freepik)Der vergessene Schmerz: Schmerzmanagement und Schmerzerfassung bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz
Die Studienlage zum Schmerz im Alter ist eindeutig. Je älter ein Mensch wird, umso häufiger wird er mit Schmerzen konfrontiert. Hier sind es vor allem Verschleißerkrankungen, die den Schmerz verursachen. Studien zeigen hingegen auf, dass umso weiter eine Demenz fortgeschritten ist, desto weniger Schmerzmittel werden verabreicht.
Die Wahrscheinlichkeit eine Demenz zu entwickeln, steigt mit dem Alter. Sind es bei den 60-65-Jährigen lediglich ca. 2%, die eine Demenz aufweisen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei den 90-95%-Jährigen schon bei ca. 35-40%.
Aus diesen beiden Umständen resultiert leider eine große Unterversorgung mit Schmerzmitteln bei alten Menschen mit fortgeschrittener Demenz.
Bei fortgeschrittener Demenz zeigt sich, dass den Betroffenen die Sprache zerfällt. Daher ist es ihnen immer weniger möglich, ihre Symptomlast uns Orientierten verbal mitzuteilen. Das gilt auch für den Schmerz. Hier verbleibt den Betroffenen mit fortgeschrittener Demenz nur noch die nonverbale und paraverbale Möglichkeit auf ihr Leiden hinzuweisen, z.B. über: Unruhe, ständiges Umherlaufen, Lautieren und/oder auch abwehrendes Verhalten.
Leider werden diese Verhaltensweisen schnell als sogenanntes „herausforderndes Verhalten“ bezeichnet. Die Verantwortung hierfür wird in der Demenz gesehen und nicht in der Symptomlast der Nebendiagnosen (z.B. Verschleißerkrankungen).
Das vorliegende Seminar widmet sich genau diesem Zusammenhang und zeigt auf, wie ein Schmerzmanagement bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz funktionieren kann. Hierzu werden die gängigen Assessments zur Schmerzerfassung (z.B. Nummerische Rangskala, BESD oder ZOPA) vorgestellt und mit den Teilnehmenden aller Berufsgruppen eingeübt. Wichtig ist nämlich, dass alle Kontaktpersonen des Menschen mit Demenz in eine professionelle Schmerzbeobachtung und -erfassung einbezogen werden. Dieses hilft dann auch bei der Entwicklung von „Verstehenshypothesen“ (gemäß des Expertenstandards „Demenz und Beziehungsgestaltung“ DNQP 2018) – also bei der Identifizierung von möglichen Ursachen des herausfordernden Verhaltens.
Inhalte
- Der typische Dreiklang: Alter, Demenz und Schmerzen
- Schmerzarten gemäß dem Alter
- So äußern Menschen mit fortgeschrittener Demenz ihren Schmerz
- Diverse Assessments zur Schmerzerfassung
- Anwendung der einzelnen Assessments auf den konkreten Fall
- Schmerzmanagement bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz als Aufgabe für das gesamte Team
Ziele
Am Ende des Seminars
- können Sie Schmerzarten unterscheiden
- kennen Sie die Verfahren der strukturierten und systematischen Erfassung und Bewertung von Schmerzen
- wissen Sie, wie sich bei Menschen mit Demenz Schmerzen äußern
Zielgruppe
Alle am Thema Interessierten, Pflegefachkräfte, Pflegekräfte ohne Examen und Mitarbeitende aus dem Sozialen Dienst und der Betreuungsarbeit.
Zusatzinformationen
Diese Fortbildung ist als Rezertifizierungskurs für zusätzliche Betreuungskräfte nach § 43b/53c SGB XI geeignet.
| Nummer | 32D10-65-1 |
| Termin |
14.04.27 - 14.04.27 09:00 - 16:30 Uhr |
| Dauer | 8 UE |
| Kosten | 205,00 € |
| Referent/innen | |
| Ansprech- partner/ innen |
Alexandra Schäfer 0211 409-3649 E-Mail schreiben |