25. Oktober 2021

Reise in die Vergangenheit:

„Alle Mann einsteigen, bitte!“: Da lassen sich Elke Helfen, Leiterin von Café Isolde (r.) und zwei der Teilnehmer nicht zweimal bitten und freuen sich auf die Reise mit dem Oldtimer. (Foto: Kaiserswerther Diakonie/Bettina Engel-Albustin)

Ausflug mit Oldtimerbus ins Freilichtmuseum Grefrath weckt Erinnerungen bei Demenzerkrankten

Düsseldorf, 25.10.2021. Nostalgie liegt in der Luft, als der historische Linienbus der Rheinbahn von 1985 auf das Gelände der Kaiserswerther Diakonie abbiegt. Am vergangen Mittwoch hat der Oldtimerbus die an Demenz erkrankten Menschen des ambulanten Betreuungsangebotes „Café Isolde“ der Altenhilfe der Kaiserswerther Diakonie zu einer Zeitreise abgeholt. Der Ausflug in vergangene Zeiten hat fast vergessene Erinnerungen bei den Betroffenen wieder aufleben lassen. Das ist ein wichtiger Baustein in der Biografiearbeit mit Menschen mit Demenz.

Die Augen der rund 25 Gäste funkelten, als der historische Gelenkbus mit den klassischen roten Kunstledersitzen und dem typischen Fahrgeräusch vor ihnen hielt und der Fahrer die Türen öffnete. Mit einem besonderen Fahrzeug wie diesem reist man schließlich nicht alle Tage. Der Oldtimerbus hat die Gäste in das Niederrheinische Freilichtmuseum nach Grefrath gebracht. Hier tauchte die Gruppe in das landwirtschaftlich geprägte Leben in der Region zwischen dem 17 und 19. Jahrhundert ein. Beim Erkunden der Hofanlagen mit den Fachwerkhäusern und Werkstätten flammten die Erinnerungen an die eigene Kinder- und Jugendzeit wieder auf. Beim Besuch im dazugehörigen Spielzeugmuseum entdeckten alle fast vergessene Schätze aus den Kinderzimmern – ob Puppen, Kaufmannsladen, Teddybären oder Seifenkisten. <s></s>

Geweckte Erinnerungen lösen Freude und Glücksmomente aus

„Erinnerungen an die Kindheit sind bei Demenzerkrankten tief eingeprägt, wir müssen sie nur hervorkitzeln. Wenn sie durch bestimmte Erlebnisse wieder aufleben, schafft das geistige Anregung und setzt neue Sinneseindrücke sowie Emotionen frei“, weiß Elke Helfen, Leiterin des Café Isolde und Koordinatorin des Demenz­netz Düsseldorf.

Was die Kraft die geweckten Erinnerungen auslösen kann, hat der Ausflug eindrucksvoll gezeigt, so Helfen weiter: „In der Gruppe sind viele auf-geblüht und haben lebhaft von ihren Erinnerungen erzählt. Besonders ein Herr, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, konnte sich an die kleinsten Details erinnern - wie der Pflug funktioniert bis hin zum Pferdegespann.“

Finanziert werden konnte der Ausflug über eine Spende der St. Remigius Kompanie 1980 der St. Sebastianus Bruderschaft Wittlaer e.V.. Diese stammt aus dem Erlös der Dosenverkaufs-Aktion der traditionellen Erbsensuppe der Schützen im vergangenen Coronajahr. „Wir freuen uns, mit der Spende das gesellschaftlich wichtige Engagement des Demenz-Cafés zu unterstützen. Auch einige unserer Schützen haben den Ausflug begleitet und konnten hautnah miterleben, wie viele Freude und Lebensqualität es den Erkrankten gegeben hat“, sagt Schützensprecher Kaspar Hilger.

Corona verstärkt Nachfrage: Café Isolde erweitert Betreuungsangebot

Besonders in der belastenden Zeit der Corona-Pandemie unterstützt das Betreuungsangebot der Altenhilfe der Kaiserswerther Diakonie pflegende Angehörige und an Demenz erkrankte Menschen. „Pflegende Angehörige waren großen Mehrbelastungen ausgesetzt, da Unterstützungsangebote und persönliche Hilfsstrukturen im nahen Familien- und Wohnumfeld weggefallen sind. Nicht wenige hatten Sorge, die häusliche Pflege ohne Unterstützung nicht mehr zu schaffen oder fühlten sich überfordert“, sagt Elke Helfen.

Zur Entlastung der pflegenden Angehörigen sind Betreuungsangebote wie Café Isolde eine wichtige Stütze. Im Laufe der Pandemie hat die Einrichtung auf den erhöhten Unterstützungsbedarf reagiert und zwei zusätzliche Betreuungsgruppen eingerichtet, die langfristig bleiben werden. An vier Tagen die Woche bietet die Einrichtung Betreuungsgruppen an - jeweils montags bis mittwochs nachmittags und donnerstags vormittags. Während die Demenzerkrankten betreut werden, können die pflegenden Angehörigen ein wenig Freiraum von ihrer anspruchsvollen Aufgabe genießen, um eigene Termine wahrzunehmen oder einfach mal durchzuatmen.

Pflegende Angehörige und Ratsuchende im Einzugsgebiet Düsseldorf-Kaiserswerth können sich für ein Beratungs- und Kennenlerngespräch bei Café Isolde melden. Mehr Informationen unter www.kaiserswerther-diakonie.de/betreuungsangebote-cafe-isolde