Geschichte der Schwesternschaft

Unsere Anfänge

Bewegt vom Zeugnis der Bibel und von ökumenischen Begegnungen gaben Theodor und Friederike Fliedner 1836 in Kaiserswerth eine Antwort auf die sozialen Nöte ihrer Zeit.

Sie entwickelten eine neue Form des diakonischen Dienens von Frauen. Das Diakonissenamt, Krankenpflege und Erziehung standen dabei im Mittelpunkt.

"Am Anfang stand eine Idee mit Wirkkraft", so lautet der erste Satz der Schwesternregel. 1836 begründeten Theodor und Friederike Fliedner das Amt der Diakonisse und errichteten das erste Diakonissenmutterhaus in Kaiserswerth. Die Frauen lebten dort in einer Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft.

Die lange Tradition der Mutterhausdiakonie begann, besonders geprägt durch Caroline Fliedner, die über 40 Jahre das Amt der Vorsteherin ausübte und dem gemeinsamen Leben eine Prägung gab. Junge evangelische Christinnen erhielten eine gute pflegerische/pädagogische Ausbildung. Bei der Berufausübung trugen die Diakonissen Kleid und Haube - wie die verheirateten Bürgersfrauen. So konnten sie auch als ledige Frauen in der Gesellschaft auftreten, um ihren Dienst zu tun. Das war zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwas Neues. Aus dieser Kleidung entwickelte sich im Laufe der Zeit die typische Diakonissentracht, die immer wieder kleinere Veränderungen erfuhr.

Sendungsprinzip

Die Diakonisse stellte ihre Arbeitskraft und deren Erlös dem Mutterhaus für seine diakonischen Aufgaben zur Verfügung und lies sich dorthin senden, wo die Diakonissenanstalt sie brauchte. Während die einen stets in Kaiserswerth blieben, führte der Weg andere Diakonissen bis nach Istanbul, Jerusalem oder Kanada.

Sie erhielten für ihre persönlichen Bedürfnisse ein Taschengeld. Die Versorgung in gesunden und kranken Tagen, einschließlich des Ruhestandes (Feierabend) übernahm das Werk. Diese Regel gilt heute noch für Diakonissen der alten Form, die inzwischen alle im Feierabend leben.

In Kirche und Gesellschaft hat es seither enorme Veränderungen gegeben. Lebensformen und Berufswelten haben sich radikal verändert. Solche Entwicklungen sind auch in den Schwesternschaften nicht ohne Resonanz geblieben.

Weitere Entwicklungen

Um engagierten Mitarbeiterinnen eine Alternative zur Organisation in der Schwesternschaft des Dritten Reichs zu bieten, gründete das Kaiserswerther Mutterhaus wie viele andere Mutterhäuser die so genannte Verbandsschwesternschaft, später Diakonische Schwesternschaft. Sie erhielten ebenfalls eine Ausbildung, trugen eine eigene Tracht, verpflichteten sich jedoch nicht zu Ehelosigkeit und unterstanden nicht dem Sendungsprinzip.

Die enormen politischen, gesellschaftlichen und nicht zuletzt finanziellen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg machten es notwendig, die Definition der Diakonisse zu überdenken. Es entstanden die Diakonissen der Neuen Form. Sie trugen keine Tracht mehr, standen finanziell auf eigenen Füßen, führten aber sonst in allen Aspekten das Erbe der Diakonissen Ursprünglicher Form weiter.

Im Laufe der Geschichte bildeten sich drei Schwesterngruppen:

Neuanfang und Schwesternschaft heute

Am 11. März 2001 haben die ehemals drei Schwesternschaften der Ursprünglichen Form, der Neuen Form und der Diakonischen Schwesternschaft ihren Zusammenschluss zur Kaiserswerther Schwesternschaft mit einem großen Festgottesdienst in der Mutterhauskirche der Kaiserswerther Diakonie gefeiert.

Im Rüstgottesdienst am Tag zuvor bekamen alle Mitglieder der Schwesternschaft ein neues Zeichen verliehen. Es ist die alte Kaiserswerther Taube als Brosche, Kettenanhänger oder Ring mit der Inschrift "Kaiserswerther Schwesternschaft" und der Bibelstelle des alten und neuen Wahlspruchs der Gemeinschaft, Philipper 4,4: "Freuet euch in dem Herrn alle Wege." Die Schwesternkonferenz hatte zuvor, nach einem gut zwei Jahre dauernden Prozess des Zusammenfindens, die gemeinsam neu entwickelte Gemeinschaftsregel abgestimmt und die Zusammenlegung beschlossen. Der Auftakt für ein neues gemeinschaftliches Leben war gemacht.

Zusätzlich zu Kette, Ring und Brosche entschied sich die Kaiserswerther Schwesternschaft, aus dem alten Pünktchenstoff der Diakonissentracht zunächst einen Schal und später eine Bluse anzufertigen, um optisch als Gemeinschaft erkennbar zu sein. 

Nach der Umwidmung des Mutterhauses in das Hotel Mutterhaus, entstand im alten Diakonissenkrankenhaus Haus Tabea 2008 das Begegnungszentrum der Kaiserswerther Schwesternschaft.

"Die Taube fliegt im himmelblauen Felde. Das soll euch erinnern, liebe Schwestern, dass himmelwärts euer Sinn und Trachten stehen soll, himmlisch Euer Wandel, das Jerusalem die Hochgebaute Stadt, euer Ziel ist.

(Theodor Fliedner 1850)

Die Tracht entspricht dem Kleid einer, zur damaligen Zeit, verheirateten Bürgersfrau (Anfang des 19. Jahrhunderts "Biedermeiertracht"). Sie stellte die Diakonisse dieser gleich und bot somit Schutz.

Erziehung 1962
Krankenpflege 1955